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Stammzellen – die Lebensversicherung fürs Kind?

Stammzellen – die Lebensversicherung fürs Kind?

Stammzellen – die Lebensversicherung fürs Kind?
© TryJimmy – pixabay.com

Ein Kind zu bekommen, ist für Paare ein extrem freudiges und aufregendes Erlebnis. Manchmal werden allerdings die Entscheidungen unterschätzt, die werdende Eltern treffen müssen. Heftig debattiert wird bereits seit einigen Jahren die Frage, was mit dem Nabelschnurblut nach der Geburt passieren soll – alternativ zur Entsorgung. Zur Wahl stehen eine Spende an eine öffentliche Nabelschnurblutbank oder die Einlagerung bei einem privaten Anbieter.

 

Nabelschnurblut – ein wertvolles Gut

 

Stammzellen aus Nabelschnurblut gelten als äußerst teilungsfähig, unbelastet und sind risikofrei zu gewinnen – die perfekten Voraussetzungen für einen Therapieeinsatz. Darüber hinaus sind sie eine geeignete Grundlage für sogenannte iPS-Zellen (induzierte pluripotente Stammzellen). Pluripotent bedeutet, dass diese Stammzellen sich in sämtliche Zelltypen des menschlichen Organismus differenzieren können – eine Eigenschaft, die sonst nur die Zellen eines 4-5 Tage alten Embryos besitzen. Trotzdem entscheiden sich immer noch wenige Eltern für eine Spende oder die private Aufbewahrung. Ein Grund dafür könnte die mangelnde Aufklärung sein.

 

Spenden oder aufbewahren? Eine schwere Entscheidung

 

Die Stammzellentherapie wird heute oft als Hoffnungsträger der Medizin bezeichnet und bei einigen Krankheitsbildern wie Leukämie bereits erfolgreich angewandt. Zur Behandlung vieler anderer Krankheiten wird überdies aktiv geforscht. Bis Therapieformen etabliert sind, kann es jedoch Jahre bis Jahrzehnte dauern. Auch über die Erfolgsaussichten der Forschungsarbeit kann derzeit keine Prognose gemacht werden. Eltern müssen also abwiegen, ob sie die Stammzellen ihres Kindes dem Gemeinwohl zur Verfügung stellen oder sie privat aufbewahren wollen. Eine schwierige Entscheidung, die nur die werdenden Eltern treffen können. Klar ist jedenfalls, dass viele Menschen ins Grübeln kommen, wenn sie von den Alternativen hören. Schließlich wollen Eltern nur das Beste für ihr Kind und dieses auch in der Zukunft vor lebensbedrohlichen Krankheiten schützen. Doch ist die Aufbewahrung von Stammzellen aus der Nabelschnur tatsächlich eine Lebensversicherung für das eigene Kind?

 

Die Zweifel der Ärzte

 

Bei der Frage, ob Nabelschnurblut privat eingelagert werden soll, gehen die Meinungen weit auseinander. Ärzte argumentieren zumeist gegenwartsbezogen und sagen, dass es derzeit kaum konkrete Anwendungsfelder gibt und die Entwicklung innerhalb der nächsten Jahre ungewiss ist. Einige appellieren daher dafür, das Blut öffentlichen Sammelbanken zur Verfügung zu stellen, um Menschen zu helfen, die akute Hilfe benötigen. Ob das Aufbewahren des Blutes dem eigenen Kind später zu Gute kommt, gilt als äußerst ungewiss, da eine Vielzahl von Krankheiten nicht mit Stammzellen behandelt werden kann. Dazu zählen zum Beispiel Erbkrankheiten, da das eigene Blut den Gendefekt bereits vor der Geburt in sich trägt. So ist der Erkrankte weiterhin auf die Spende eines anderen Menschen angewiesen. Und auch Krebszellen werden häufig schon vor der Geburt gebildet. Eine Therapie mit den eigenen Stammzellen scheidet dadurch ebenfalls aus.

 

Befürworter glauben an die Forschung

 

Private Stammzellbanken stellen dahingegen spätere Heilungschancen für Kinder in Aussicht. Perspektiven sehen sie unter anderem in der Heilung von Diabetes Typ 1 und Autismus, doch auch hier ist die Wirkungsweise von Stammzellen bis dato mehr als umstritten. Bei einer Studie der Duke University in Durham (USA) wurden mehr als 300 Kinder mit zumeist neurologischen Störungen mit Nabelschnurblut behandelt – mit einem positiven Ergebnis. Kritiker warnen jedoch vor der Gefahr, dass zu große Hoffnungen gemacht werden, die nicht erfüllt werden können.

 

Entnahme und Lagerung

 

Die Entnahme des Nabelschnurblutes findet sowohl für die private Aufbewahrung als auch für die Spende nach der Abnabelung des Babys von der Mutter statt und ist somit für beide komplett schmerzfrei. Die Voraussetzung dabei ist, dass sowohl Mutter als auch Kind gesund sind. Je nach Anbieter belaufen sich die Kosten für eine private Einlagerung auf rund 1000 bis 3000 Euro – der Kostenfaktor ist somit für die Entscheidung nicht unerheblich. Aufbewahrt werden die Stammzellen dann für mindestens 20 Jahre in einem speziellen sogenannten Kyrotank, in dem die Stammzellen auf beinahe -200 Grad Celsius heruntergekühlt werden.

 

Eine Lebensversicherung fürs Kind

 

Schlussendlich bleibt zu sagen, dass Eltern sich genau überlegen müssen, wie sie sich entscheiden. Eine Einlagerung von Stammzellen kann nicht als Lebensversicherung für das Kind angesehen werden, da es noch zu viele Unsicherheitsfaktoren gibt. Andererseits kann nicht ausgeschlossen werden, dass die Entscheidung für eine Aufbewahrung dem Nachwuchs doch irgendwann nützt. Weitere Informationen zum Thema Einlagern oder Spenden gibt es unter http://www.seracell.de/stammzellen/einlagern-oder-spenden.